Das LED-Netzteil: das Bauteil, an dem am häufigsten gespart wird, und das am häufigsten ausfällt

By: Alexander R.

Das LED-Netzteil-Was man wissen sollte
Das LED-Netzteil: Was man wissen sollte

Bei jedem LED-Projekt gibt es einen Posten, über den lange diskutiert wird, und einen, der am Ende einfach mitbestellt wird. Über den Streifen wird diskutiert: Lichtfarbe, Leuchtdichte, COB oder klassisch, 2700 oder 3000 Kelvin. Das Netzteil kommt dazu, weil es halt dazugehört, und es wird das billigste genommen, das die Wattzahl schafft.

Diese Reihenfolge ist verkehrt herum. In den allermeisten Installationen, die nach ein oder zwei Jahren Probleme machen, liegt der Fehler nicht beim Streifen. Er liegt beim Netzteil, das dauerhaft am Limit gelaufen ist, im Sommer zu heiß wurde oder mit einem Dimmer zusammenarbeiten sollte, für den es nie gebaut war.

Erst rechnen, dann kaufen

Die Grundrechnung ist einfach und wird trotzdem oft übersprungen. Leistung des Streifens pro Meter mal Anzahl der Meter ergibt die Anschlussleistung. Ein COB-Streifen mit 14 Watt pro Meter zieht auf sechs Metern 84 Watt.

Darauf kommen mindestens 20 Prozent Reserve. Nicht, weil die Rechnung falsch wäre, sondern weil ein Netzteil bei etwa 60 bis 80 Prozent Auslastung am effizientesten arbeitet und am kühlsten bleibt. Für unsere 84 Watt bedeutet das ein Gerät mit 100 bis 120 Watt. Wer stattdessen ein 90-Watt-Netzteil nimmt, bekommt ein Gerät, das dauerhaft warm ist und dessen Elektrolytkondensatoren entsprechend schneller altern.

Die Preisunterschiede sind dabei überschaubar. In der Übersicht der LED Netzteile von SK LED liegen Hutschienen-Modelle mit 60 Watt bei knapp 25 Euro, mit 150 Watt bei rund 45 Euro. Der Aufpreis für die nächste Leistungsklasse kostet also weniger als ein Abendessen und verlängert die Lebensdauer der ganzen Installation.

12 oder 24 Volt

Diese Entscheidung fällt vor dem Netzteilkauf, weil sie den Streifen betrifft. 12 Volt ist der ältere Standard und im Kfz-Bereich zu Hause. Für Beleuchtung im Haus spricht mehr für 24 Volt.

Der Grund ist der Spannungsabfall. Bei gleicher Leistung fließt bei 24 Volt nur der halbe Strom, und der Spannungsabfall auf der Leiterbahn des Streifens fällt entsprechend geringer aus. In der Praxis heißt das: Ein 12-Volt-Streifen wird ab etwa fünf Metern zum Ende hin sichtbar dunkler, ein 24-Volt-Streifen hält deutlich länger durch. Bei langen Lichtlinien in Fluren oder um eine Decke herum ist das der entscheidende Punkt.

12 Volt bleibt sinnvoll, wenn vorhandene Komponenten damit laufen oder wenn ohnehin nur kurze Abschnitte verbaut werden, etwa unter einem Küchenschrank.

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Konstantspannung, nicht Konstantstrom

Für LED-Streifen braucht es ein Konstantspannungsnetzteil, also ein Gerät mit fester Ausgangsspannung von 12 oder 24 Volt. Der Streifen regelt seinen Strom über die eingebauten Vorwiderstände selbst.

Konstantstrom-Treiber sind etwas anderes. Sie liefern einen festen Strom bei variabler Spannung und gehören zu LED-Modulen, Einbaustrahlern oder Platinen ohne eigene Strombegrenzung. Beide Typen sehen sich äußerlich ähnlich, manche Geräte können sogar beides. Wer sie verwechselt, bekommt entweder gar kein Licht oder einen Streifen, der nach kurzer Zeit durchbrennt. Auf dem Typenschild steht, was das Gerät kann.

Die Schutzart entscheidet über den Einbauort

IP20 heißt: trockener Innenraum, geschützt vor Fingern, sonst nichts. Diese Geräte gehören in eine Zwischendecke, einen Schaltschrank oder einen Schrank, nicht in die Garage neben die offene Tür und schon gar nicht nach draußen.

IP65 verträgt Strahlwasser, IP67 zeitweises Untertauchen. Für Terrasse, Carport, Fassade und Bad sind das die richtigen Klassen. Die Gehäuse sind meist vergossen, was sie schwerer und teurer macht. Ein IP65-Netzteil mit 150 Watt liegt bei etwa 57 Euro, das entsprechende Hutschienengerät für innen bei 45 Euro.

Ein häufiger Irrtum: Der Streifen ist wasserdicht, also passt das schon. Der Streifen mag IP67 haben, das Netzteil im Blumenkasten hat es nicht. Die Kette ist so dicht wie ihr schwächstes Glied.

Bauformen und wo sie hingehören

Slim-Netzteile sind flach und passen in Konstruktionen, die kaum Luft lassen, etwa hinter eine abgehängte Decke mit wenigen Zentimetern Abstand oder in einen Möbelkorpus.

Hutschienen-Netzteile gehören in den Verteiler. Wenn ohnehin ein Schaltschrank in der Nähe sitzt, ist das die sauberste Lösung, weil alles an einem Ort liegt und die Wartung nicht bedeutet, dass jemand die Decke öffnet.

Klassische Metallgehäuse-Netzteile sind die günstigste Variante pro Watt und brauchen dafür Platz und Belüftung. Für den Hobbyraum oder die Werkstatt völlig in Ordnung, im Wohnbereich meist unpraktisch.

Dimmen: die Entscheidung, die vor dem Kauf fällt

Hier passiert der teuerste Fehler. Ein normales Netzteil lässt sich nicht mit einem Wanddimmer dimmen. Wer es trotzdem versucht, bekommt Flackern, Brummen oder ein Gerät, das gar nicht erst anläuft.

Es gibt zwei saubere Wege. Entweder man dimmt hinter dem Netzteil, also mit einem Controller auf der Gleichstromseite. Das ist die übliche Lösung bei Funksteuerungen und bei DMX oder DALI im Anschluss.

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Oder man nimmt ein dimmbares Netzteil. Solche Geräte gibt es für Phasenan- und -abschnitt, für Push DIM über einen normalen Taster, für 0 bis 10 Volt, für DALI und für KNX. Ein dimmbares 24-Volt-Netzteil mit 75 Watt und Triac-Unterstützung liegt bei rund 60 Euro, ein 150-Watt-Modell bei etwa 80 Euro.

Welcher Weg der richtige ist, hängt davon ab, was die Wand hergibt. Ist bereits eine Dimmerdose mit Zuleitung vorhanden, spricht viel für ein dimmbares Netzteil. Wird ohnehin neu verkabelt, ist ein Controller auf der Niederspannungsseite flexibler, gerade bei mehreren Zonen oder Farbwechsel.

Worauf sich ein Blick ins Datenblatt lohnt

Flackerfreiheit steht bei besseren Geräten explizit dabei. Wichtig wird das, sobald jemand im Raum filmt oder empfindlich auf Flimmern reagiert. Billige Netzteile mit hoher Restwelligkeit sind ein bekannter Grund für Kopfschmerzen bei längerem Aufenthalt.

Der Wirkungsgrad sagt, wie viel Energie in Wärme statt in Licht geht. Zwischen 85 und 92 Prozent liegen bei einem 150-Watt-Gerät im Dauerbetrieb spürbare Unterschiede. Das merkt man auf der Stromrechnung, vor allem aber an der Temperatur im Deckenhohlraum.

Prüfzeichen wie TÜV, CE und ENEC sind kein Marketing. Bei einem Gerät, das direkt an 230 Volt hängt und jahrelang unbeaufsichtigt in einer Decke läuft, ist das die Grundlage, auf der man überhaupt schlafen kann.

Herstellernamen helfen ebenfalls bei der Einordnung. Mean Well und LTECH sind seit Jahren im Markt, ihre Datenblätter enthalten echte Kurven statt runder Marketingzahlen, und Ersatz gibt es auch in fünf Jahren noch.

Kurz gefasst

Rechnen Sie die Leistung aus und legen Sie 20 Prozent drauf. Nehmen Sie 24 Volt, wenn die Strecken länger werden. Achten Sie darauf, dass es ein Konstantspannungsgerät ist. Wählen Sie die Schutzart nach dem tatsächlichen Einbauort und nicht nach dem Streifen. Und klären Sie vor dem Kauf, ob und wie gedimmt werden soll.

Ein gutes Netzteil kostet vielleicht 15 Euro mehr als das billigste, das rechnerisch auch reichen würde. Diese 15 Euro sind die günstigste Versicherung im ganzen Projekt, denn ausgetauscht wird später nicht das Bauteil, sondern die halbe Decke, in der es sitzt.