Wärmedämmung der Außenwand von innen: Aufbau, Dämmstoffe, Feuchteschutz und typische Fehler

By: Alexander R.

Wärmedämmung Außenwand von innen

Eine Wärmedämmung der Außenwand von innen kommt vor allem dann infrage, wenn eine Außendämmung technisch nicht möglich, wirtschaftlich unverhältnismäßig oder aus gestalterischen Gründen unerwünscht ist. Typische Anwendungsfälle sind denkmalgeschützte Fassaden, erhaltenswerte Sichtmauerwerke, einzelne Wohnungen in Mehrfamilienhäusern oder Gebäude, bei denen die Grundstücksgrenze eine zusätzliche Dämmschicht auf der Fassade nicht zulässt.

Bauphysikalisch ist die Innendämmung anspruchsvoller als eine außenliegende Dämmung. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass sich die vorhandene Außenwand nach der Maßnahme stärker im kalten Bereich befindet. Dadurch verändern sich Temperaturverlauf, Feuchtetransport und Austrocknungsverhalten des gesamten Wandaufbaus. Fehler bei Planung oder Ausführung können deshalb zu Tauwasser, Schimmelbildung oder langfristigen Feuchteschäden führen.

Fachgerecht geplant bietet eine Innendämmung dennoch erhebliche Vorteile. Die innere Wandoberfläche wird wärmer, der Wärmeverlust über die Außenwand sinkt und die thermische Behaglichkeit verbessert sich. Gerade bei älteren Gebäuden mit kalten massiven Außenwänden kann bereits eine vergleichsweise moderate Dämmstoffdicke einen deutlichen Unterschied bewirken.

Entscheidend ist nicht, möglichst viel Dämmstoff an die Wand zu bringen. Eine funktionierende Wärmedämmung der Außenwand von innen entsteht aus dem Zusammenspiel von Bestandswand, Dämmstoff, Feuchteschutz, Luftdichtheit, Wärmebrücken und sauber ausgeführten Anschlüssen.

Wann eine Innendämmung der Außenwand sinnvoll ist

Wann eine Innendämmung der Außenwand sinnvoll ist

Die Außendämmung besitzt bauphysikalisch meist Vorteile, weil die bestehende Wand auf der warmen Seite der Konstruktion verbleibt und Wärmebrücken häufig besser überdeckt werden können. Eine Innendämmung sollte deshalb nicht allein deshalb gewählt werden, weil sie auf den ersten Blick einfacher erscheint.

Ihre Stärke zeigt sich bei Gebäuden, deren Außenansicht erhalten bleiben soll. Fachwerk, Naturstein, Klinker, Stuckfassaden und andere historische Fassadengestaltungen können eine Außendämmung erschweren oder ausschließen. Auch innerhalb einer Eigentumswohnung kann eine Außendämmung praktisch nicht umsetzbar sein, wenn nicht die gesamte Eigentümergemeinschaft eine Fassadensanierung plant.

Ein weiterer Anwendungsbereich sind zeitweise beheizte Räume. Bei einer Innendämmung muss nicht erst eine massive Außenwand vollständig erwärmt werden, bevor sich ein behagliches Raumgefühl einstellt. Die raumseitigen Oberflächen können schneller höhere Temperaturen erreichen.

Dem stehen einige Nachteile gegenüber. Durch die Dämmschicht geht Wohnfläche verloren. Außerdem wird die Dämmung an Geschossdecken, Innenwänden und anderen einbindenden Bauteilen unterbrochen. An diesen Stellen entstehen oder verstärken sich Wärmebrücken. Besonders sorgfältig müssen deshalb Wand-Decken-Anschlüsse, Innenwandanschlüsse, Fensterlaibungen, Fensterstürze und Bereiche um Heizkörpernischen behandelt werden.

Nicht jede Außenwand eignet sich ohne Vorarbeiten für eine Innendämmung. Eine dauerhaft feuchte Wand darf nicht einfach überdämmt werden. Schäden durch Schlagregen, undichte Anschlüsse, defekte Fallrohre, aufsteigende Feuchtigkeit oder beschädigten Außenputz müssen zunächst erkannt und behoben werden.

Was bei einer Innendämmung bauphysikalisch passiert

Vor der Dämmung wird eine massive Außenwand von der Raumseite beheizt. Ein Teil der Wärme gelangt in das Mauerwerk und anschließend nach außen. Nach dem Einbau einer Innendämmung wird dieser Wärmestrom deutlich reduziert. Genau das ist energetisch erwünscht, verändert aber die Temperaturen innerhalb der Konstruktion.

Die ursprüngliche Wand wird im Winter kälter. Gleichzeitig gelangt Feuchtigkeit aus dem Innenraum durch Diffusion oder bei Undichtigkeiten durch Luftströmungen in Richtung der kälteren Bereiche. Kühlt feuchte Raumluft dort ausreichend stark ab, kann sich Wasser in der Konstruktion niederschlagen.

Besonders problematisch ist konvektiver Feuchteeintrag. Kleine Fugen, Hohlräume und nicht luftdichte Anschlüsse können warme und feuchte Raumluft hinter die Dämmung gelangen lassen. Dort trifft sie auf eine wesentlich kältere Oberfläche. Deshalb darf eine Innendämmung nicht lediglich punktuell an einer Wand befestigt werden, wenn das verwendete System eine vollflächige Verklebung voraussetzt.

Gleichzeitig muss die Feuchtigkeit betrachtet werden, die von außen auf die Wand einwirkt. Schlagregen kann insbesondere bei stark bewitterten Fassaden Feuchtigkeit in mineralische Baustoffe transportieren. Durch eine Innendämmung reduziert sich die Erwärmung des Mauerwerks von innen, wodurch sich auch dessen Austrocknungsverhalten verändert.

Eine einfache Betrachtung des Dämmwertes reicht daher nicht aus. Bei anspruchsvollen Konstruktionen ist ein feuchtetechnischer Nachweis erforderlich. Dabei werden Wärme- und Feuchtetransport gemeinsam betrachtet. Besonders bei historischen Gebäuden, Holzbalkendecken, Natursteinmauerwerk, stark bewitterten Fassaden oder ungewöhnlichen Wandaufbauten kann eine hygrothermische Berechnung erforderlich sein.

Welche Dämmstoffe für die Außenwand von innen geeignet sind

Welche Dämmstoffe für die Außenwand von innen geeignet sind

Für die Innendämmung stehen unterschiedliche Materialgruppen und Systemlösungen zur Verfügung. Die Auswahl darf nicht ausschließlich nach Wärmeleitfähigkeit oder Preis erfolgen. Entscheidend ist, wie das Material mit dem vorhandenen Wandaufbau und dessen Feuchteverhalten zusammenspielt.

Kalziumsilikatplatten

Kalziumsilikatplatten werden häufig dort eingesetzt, wo neben dem Wärmeschutz ein robustes Feuchteverhalten gefragt ist. Das mineralische Material ist kapillaraktiv und kann Feuchtigkeit aufnehmen, verteilen und wieder an den Innenraum abgeben.

Solche Systeme werden meist vollflächig mit einem zum System gehörenden mineralischen Klebemörtel aufgebracht. Auch Oberputz und Beschichtung müssen zum Aufbau passen. Stark diffusionshemmende Tapeten oder ungeeignete Beschichtungen können die bauphysikalischen Eigenschaften des Systems beeinträchtigen.

Der Dämmwert pro Zentimeter ist je nach Produkt nicht so hoch wie bei manchen klassischen Dämmstoffen. Dafür können Kalziumsilikatsysteme bei bestimmten Bestandskonstruktionen durch ihr Feuchtemanagement Vorteile bieten.

Mineralschaumplatten

Mineralische Dämmplatten beziehungsweise Mineralschaumplatten sind ebenfalls für kapillaraktive Innendämmsysteme erhältlich. Sie verbinden Wärmedämmung mit einer mineralischen, diffusionsoffenen Konstruktion.

Die Platten benötigen einen möglichst ebenen und tragfähigen Untergrund und werden üblicherweise vollflächig verklebt. Größere Hohlräume hinter den Dämmplatten sind zu vermeiden. Das komplette System aus Kleber, Dämmplatte, Armierung, Putz und gegebenenfalls Farbanstrich sollte aufeinander abgestimmt sein.

Holzfaser und andere Naturdämmstoffe

Holzfaserdämmplatten können bei geeigneten Konstruktionen ebenfalls für eine Innendämmung eingesetzt werden. Sie besitzen eine vergleichsweise hohe Wärmespeicherfähigkeit und können Feuchtigkeit puffern.

Gerade bei Fachwerk und historischen Konstruktionen ist allerdings eine objektspezifische Planung erforderlich. Holzbauteile innerhalb einer Außenwand reagieren empfindlich auf dauerhaft erhöhte Feuchte. Balkenköpfe, Deckenauflager und andere verdeckte Holzbauteile verdienen deshalb besondere Aufmerksamkeit.

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Dämmstoffe mit Dampfbremse

Eine weitere Möglichkeit besteht aus Dämmstoff und einer raumseitigen Dampfbremse beziehungsweise einem abgestimmten Luftdichtheits- und Feuchteschutzsystem. Dabei soll verhindert beziehungsweise kontrolliert werden, wie viel Wasserdampf aus dem Innenraum in die Konstruktion gelangt.

Solche Aufbauten funktionieren nur bei sehr sorgfältiger Verarbeitung. Anschlüsse an Decke, Boden, Fenster, Innenwände sowie sämtliche Leitungsdurchführungen müssen dauerhaft luftdicht ausgeführt werden. Bereits kleine Fehlstellen können die berechnete Funktionsweise beeinträchtigen.

Die richtige Dämmstärke bestimmen

Bei der Wärmedämmung einer Außenwand von innen führt mehr Dämmstoff nicht automatisch zur besseren Konstruktion. Mit zunehmender Dämmstoffdicke sinkt zwar der Wärmedurchgang durch die Wand, gleichzeitig wird das bestehende Mauerwerk während der Heizperiode kälter.

Die optimale Dämmstärke hängt deshalb von mehreren Faktoren ab: vom vorhandenen Mauerwerk, dessen Dicke und Wärmeleitfähigkeit, dem ausgewählten Dämmstoff, der Schlagregenbelastung, dem Innenraumklima und den vorhandenen Wärmebrücken.

Eine pauschale Angabe wie sechs, acht oder zwölf Zentimeter ist ohne Kenntnis des Gebäudes nicht belastbar. Bei einem massiven Ziegelmauerwerk kann ein anderer Aufbau sinnvoll sein als bei Naturstein, Fachwerk oder einer zweischaligen Wand.

Zur energetischen Bewertung dient der U-Wert. Er beschreibt den Wärmedurchgang durch ein Bauteil. Je niedriger der U-Wert, desto geringer ist unter vergleichbaren Bedingungen der Wärmeverlust.

Für die Praxis ist allerdings nicht allein der rechnerische U-Wert entscheidend. Eine moderate, fachgerecht ausgeführte Innendämmung kann sinnvoller sein als eine sehr dicke Konstruktion, deren Anschlüsse problematisch werden. Mit zunehmender Dicke wachsen außerdem der Wohnflächenverlust und der Aufwand an Fensterlaibungen, Heizkörpernischen und einbindenden Bauteilen.

Auch energetische Anforderungen des geltenden Gebäudeenergierechts müssen bei Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt werden. Welche Vorgaben tatsächlich greifen, hängt von Art und Umfang der Baumaßnahme sowie möglichen Ausnahmen ab. Bei Bestandsgebäuden und insbesondere bei denkmalgeschützten Konstruktionen sollte die konkrete Situation deshalb projektbezogen geprüft werden.

Feuchtigkeit und Schimmel sicher vermeiden

Feuchtigkeit und Schimmel sicher vermeiden

Feuchtigkeit ist der zentrale Punkt bei der Planung einer Innendämmung. Ein vorhandenes Feuchteproblem darf nicht hinter einer neuen Dämmschicht verschwinden. Dunkle Verfärbungen, abplatzender Putz, Salzausblühungen, muffiger Geruch oder sichtbarer Schimmel sind Warnzeichen, deren Ursache vor Beginn der Arbeiten geklärt werden muss.

Feuchtigkeit kann aus sehr unterschiedlichen Quellen stammen. Schlagregen kann durch eine geschädigte Fassade eindringen. Undichte Dachanschlüsse, Fensterbänke, Fallrohre oder Fugen können lokal hohe Wasserbelastungen verursachen. Im Sockelbereich können zusätzlich aufsteigende oder seitlich eindringende Feuchtigkeit eine Rolle spielen.

Erst wenn die Ursache beseitigt und der Wandaufbau ausreichend beurteilt wurde, sollte die Dämmung geplant werden.

Ein zweiter wichtiger Faktor ist die Raumluftfeuchtigkeit. Kochen, Duschen, Wäschetrocknen und die Nutzung der Räume setzen kontinuierlich Wasserdampf frei. Eine Innendämmung verändert die Oberflächentemperaturen und damit auch die Bedingungen für die relative Luftfeuchtigkeit unmittelbar an den Bauteiloberflächen.

Richtig ausgeführt kann die Innendämmung das Schimmelrisiko auf der gedämmten Wandfläche reduzieren, weil deren innere Oberfläche wärmer wird. Gleichzeitig können unbehandelte Wärmebrücken kritischer werden. Ein klassisches Beispiel ist die Ecke zwischen gedämmter Außenwand und einbindender Innenwand. Die große Wandfläche besitzt nach der Sanierung eine deutlich höhere Oberflächentemperatur, während der Anschlussbereich vergleichsweise kalt bleibt.

Deshalb muss der Feuchteschutz als Gesamtkonzept betrachtet werden. Einzelne Dämmplatten auf besonders kalte Wandbereiche zu kleben, ohne angrenzende Konstruktionen einzubeziehen, ist keine zuverlässige Sanierungsstrategie.

Wärmebrücken an Decken, Innenwänden und Fenstern

Eine der größten Herausforderungen der Innendämmung entsteht an den Stellen, an denen die Dämmebene unterbrochen wird. Eine Geschossdecke oder Innenwand führt von der warmen Raumseite bis in die kalte Außenwand. Über dieses Bauteil kann Wärme an der Innendämmung vorbei in Richtung Außenwand fließen.

Dadurch können unmittelbar neben der Dämmung niedrigere Oberflächentemperaturen auftreten. Abhängig von Konstruktion und Berechnung kommen sogenannte Flankendämmungen oder Dämmkeile infrage. Dabei wird die Dämmung ein Stück auf das angrenzende Bauteil weitergeführt. So lässt sich der abrupte Temperatursprung reduzieren.

Besondere Aufmerksamkeit benötigen Fenster.

Wird nur die große Wandfläche gedämmt und die Fensterlaibung ausgelassen, entsteht dort eine ausgeprägte Schwachstelle. Gleichzeitig verringert sich durch die Dämmung der Abstand zwischen innerer Wandoberfläche und Fensteröffnung. Für Laibungen werden deshalb häufig dünnere Dämmplatten mit entsprechend geeigneten Eigenschaften verwendet.

Fenstersturz und Fensterbankanschluss müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Werden im Rahmen derselben Sanierung neue Fenster eingebaut, verändert sich zusätzlich die Luftdichtheit des Gebäudes. Alte Fenster besitzen häufig ungewollte Fugenlüftung. Neue Fenster schließen erheblich dichter, wodurch die Feuchtigkeit aus dem Innenraum nicht mehr auf demselben Weg abgeführt wird.

Auch Steckdosen und Installationen verdienen Aufmerksamkeit. Unterputzdosen in der gedämmten Außenwand können die luftdichte Ebene durchbrechen. Installationen sollten deshalb bereits während der Planung berücksichtigt werden, anstatt nachträglich zahlreiche Öffnungen in den fertigen Aufbau einzubringen.

Außenwand von innen dämmen: fachgerechter Aufbau

Außenwand von innen dämmen

Vor der eigentlichen Montage steht eine Bestandsaufnahme. Dabei werden Wandmaterial, Wandstärke, vorhandener Putz, Feuchtezustand, Fassadenzustand und angrenzende Bauteile untersucht. Kritische Bereiche wie Balkenköpfe, Fensteranschlüsse oder bereits vorhandene Schimmelschäden benötigen eine gesonderte Bewertung.

Anschließend wird ein zur Konstruktion passendes Innendämmsystem festgelegt. Der vorhandene Innenputz kann nur dann Teil des neuen Aufbaus bleiben, wenn er ausreichend tragfähig und mit dem vorgesehenen System verträglich ist. Lose, hohle oder stark geschädigte Bereiche müssen entfernt beziehungsweise instand gesetzt werden.

Bei vollflächig zu verklebenden Systemen muss der Untergrund ausreichend eben sein. Große Hohlräume hinter Dämmplatten sind problematisch, weil dort Luftströmungen auftreten können. Der Klebemörtel wird deshalb entsprechend den Herstellervorgaben so aufgebracht, dass eine vollflächige Verbindung entsteht.

Die Dämmplatten werden dicht gestoßen und systemgerecht verarbeitet. Entscheidend sind anschließend die Anschlüsse. Boden, Decke, Innenwände, Fenster und sämtliche Durchdringungen müssen in das Konzept einbezogen werden.

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Bei Systemen mit separater Dampfbremse kommt der luftdichten Ebene eine besonders hohe Bedeutung zu. Überlappungen, Klebebänder, Manschetten und Anschlusskleber müssen dauerhaft funktionieren. Eine Folie, die zwar auf der Wandfläche sauber verlegt wurde, aber an Steckdosen, Deckenanschlüssen oder Leitungen undicht ist, erfüllt ihren Zweck nur eingeschränkt.

Den Abschluss bilden die für das jeweilige System vorgesehenen Innenputze oder Bekleidungen. Bei kapillaraktiven Systemen sollten nachfolgende Schichten die Feuchteabgabe nicht unnötig behindern.

Häufige Fehler bei der Innendämmung

Einer der häufigsten Fehler besteht darin, eine Innendämmung wie eine einfache Wandverkleidung zu behandeln. Dämmplatten werden gekauft, an die Außenwand geklebt und anschließend verspachtelt. Ob Wand und Dämmstoff bauphysikalisch zusammenpassen, bleibt dabei ungeprüft.

Problematisch ist auch eine punktuelle Verklebung, wenn das eingesetzte System eine vollflächige Verklebung verlangt. Hinter der Dämmung verbleibende Hohlräume können Luftbewegungen ermöglichen. Gelangt feuchte Raumluft in einen solchen Bereich, kann sie an der kalten Bestandswand kondensieren.

Ein weiterer Fehler ist das Überdämmen feuchter Wände. Die Dämmung beseitigt weder eindringenden Schlagregen noch defekte Abdichtungen oder undichte Leitungen. Im Gegenteil: Durch die veränderten Trocknungsbedingungen kann ein bestehendes Problem anschließend schwerer erkennbar sein.

Ebenso kritisch ist das Ignorieren der Wärmebrücken. Die Wandmitte lässt sich vergleichsweise einfach dämmen. Schäden treten jedoch häufig an komplizierten Details auf: Fensterlaibungen, Deckenrändern, Innenwandanschlüssen, Rollladenkästen und Balkenauflagerungen.

Auch das wahllose Kombinieren unterschiedlicher Baustoffe kann Schwierigkeiten verursachen. Innendämmsysteme bestehen nicht zufällig aus aufeinander abgestimmten Komponenten. Klebemörtel, Dämmplatte, Armierung, Putz und Beschichtung beeinflussen gemeinsam den Wärme- und Feuchtetransport.

Eine vermeintliche Verbesserung kann sogar kontraproduktiv sein. Wird beispielsweise ein kapillaraktiver Aufbau anschließend mit stark dampfbremsenden Schichten versehen, verändert sich dessen Austrocknungsverhalten. Deshalb sollte der gesamte Aufbau bis zur abschließenden Oberflächenbeschichtung geplant werden.

Innendämmung bei Altbau, Fachwerk und Denkmalschutz

Gerade im Altbau gehört die Innendämmung zu den interessantesten, aber auch anspruchsvollsten Sanierungsmaßnahmen. Historische Außenwände unterscheiden sich erheblich von modernen Konstruktionen. Vollziegel, Naturstein, Lehm, Kalkmörtel und Fachwerk reagieren unterschiedlich auf Feuchtigkeit und Temperaturänderungen.

Bei Sichtmauerwerk oder Natursteinfassaden spielt die Schlagregenbelastung eine besonders große Rolle. Eine Außenwand, die regelmäßig größere Wassermengen aufnimmt, benötigt ausreichende Möglichkeiten zur Austrocknung. Eine Innendämmung senkt die Temperatur des Bestandsmauerwerks und kann dessen Trocknung nach innen verändern.

Noch sorgfältiger ist bei Fachwerk und Holzbalkendecken vorzugehen. Holzbauteile dürfen langfristig keiner kritischen Feuchtebelastung ausgesetzt sein. Besonders sensibel sind Balkenköpfe, die in der Außenwand liegen. Nach einer Innendämmung ändern sich die Temperatur- und Feuchtebedingungen genau in diesem Bereich.

Historische Konstruktionen sollten deshalb nicht nach einem universellen Standardschema saniert werden. Eine vorherige Bauzustandsanalyse und gegebenenfalls eine hygrothermische Simulation ermöglichen eine wesentlich belastbarere Entscheidung.

Denkmalschutz und energetische Verbesserung schließen sich dabei keineswegs aus. Innendämmungen gehören gerade deshalb zum Werkzeug der energetischen Altbausanierung, weil historische Fassaden erhalten werden können. Ziel ist eine ausgewogene Lösung zwischen Wärmeschutz, Feuchtesicherheit, Substanzerhalt und Nutzbarkeit.

Kosten und Wirtschaftlichkeit einer Innendämmung

Die Kosten einer Innendämmung hängen stärker von den baulichen Details ab, als es der reine Quadratmeterpreis des Dämmstoffs vermuten lässt. Neben Dämmplatten oder Dämmmatten fallen Kosten für Untergrundvorbereitung, Kleber, Armierung, Innenputz, Anschlussarbeiten und gegebenenfalls Dampfbremse oder Luftdichtheitssystem an.

Fensterlaibungen, Steckdosen, Heizkörper, Rohrleitungen, Stuckelemente und komplizierte Raumgeometrien erhöhen den Arbeitsaufwand. Müssen vor der Dämmung Feuchteschäden saniert oder alte Putze entfernt werden, steigen die Gesamtkosten entsprechend.

Dem steht eine Reduzierung der Transmissionswärmeverluste gegenüber. Wie hoch die tatsächliche Heizenergieeinsparung ausfällt, hängt nicht allein vom U-Wert der Außenwand ab. Gebäudegröße, Anteil der Außenwandfläche, Fenster, Dach, Keller, Heizsystem, Raumtemperaturen und Nutzungsverhalten beeinflussen das Ergebnis.

Zusätzlich besitzt eine Innendämmung einen Komforteffekt, der sich nicht ausschließlich über eingesparte Kilowattstunden bewerten lässt. Wärmere innere Wandoberflächen reduzieren das Gefühl einer kalten abstrahlenden Fläche. Ein Raum kann sich dadurch bei gleicher Lufttemperatur behaglicher anfühlen.

Wirtschaftlich sinnvoll ist daher nicht zwangsläufig die maximal mögliche Dämmstärke. Eine technisch sichere und gut ausgeführte Konstruktion mit moderater Dämmwirkung kann langfristig die bessere Lösung darstellen.

Fazit

Die Wärmedämmung einer Außenwand von innen ist eine wirkungsvolle Sanierungsmethode für Gebäude, bei denen eine Dämmung der Fassade nicht oder nur mit erheblichen Nachteilen möglich ist. Besonders bei denkmalgeschützten Häusern, historischen Fassaden und einzelnen Wohnungen kann sie eine praktikable Möglichkeit bieten, Wärmeverluste zu reduzieren und die Oberflächentemperaturen der Außenwände anzuheben.

Ihre technische Qualität entscheidet sich allerdings weniger auf der ungestörten Wandfläche als an den Details. Feuchtezustand des Bestands, Schlagregenschutz, Fensterlaibungen, Geschossdecken, Innenwandanschlüsse, Balkenköpfe und Installationsdurchführungen bestimmen wesentlich, ob der Aufbau dauerhaft funktioniert.

Kapillaraktive mineralische Systeme, Naturdämmstoffe und Konstruktionen mit Dampfbremse verfolgen unterschiedliche bauphysikalische Konzepte. Deshalb existiert kein Dämmstoff und keine pauschale Dämmstärke, die für jede Außenwand gleichermaßen geeignet ist. Der vorhandene Wandaufbau muss die Grundlage der Materialwahl bilden.

Besondere Vorsicht ist bei bereits feuchten Wänden geboten. Eine Innendämmung ist keine Methode zur Beseitigung von Feuchteschäden. Zunächst muss geklärt werden, woher die Feuchtigkeit stammt und wie sie dauerhaft beseitigt werden kann. Erst anschließend lässt sich ein sicherer Dämmaufbau festlegen.

Ebenso entscheidend ist eine möglichst lückenlose und systemgerechte Verarbeitung. Hohlräume hinter Dämmplatten, undichte Anschlüsse und unbehandelte Wärmebrücken können die Vorteile einer ansonsten hochwertigen Dämmung zunichtemachen. Bei bauphysikalisch schwierigen Bestandskonstruktionen bietet ein feuchtetechnischer Nachweis eine belastbare Grundlage für die Planung.

Eine sorgfältig geplante Innendämmung verbindet Energieeinsparung mit höherer Behaglichkeit und dem Erhalt bestehender Fassaden. Nicht maximale Dämmstoffdicke, sondern ein dauerhaft trockener, wärmetechnisch sinnvoller und handwerklich sauber ausgeführter Gesamtaufbau ist dabei das entscheidende Qualitätsmerkmal.

Quellenhinweis: www.bescheid-geben-de